Ein Überblick, was angehende Techniker:innen, Meister:innen, Betriebswirte, Fachwirte und Erzieher:innen zur Finanzierung ihrer Fortbildung wissen müssen
Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zu deiner Entscheidung, eine Fortbildung zu absolvieren und zu deinem beruflichen Aufstieg. Wer sich für eine Fortbildung entscheidet, egal ob zum:r Techniker:in, Meister:in, Betriebswirt:in, Fachwirt:in oder Erzieher:in stellt sich einer beruflichen Herausforderung. Doch neben der Anmeldung zur Techniker-, Meister- oder Fachschule gibt es eine Vielzahl an Entscheidungen zu treffen. Hier findest du einen Überblick, mit welchen Themen du dich vor dem Start der Fortbildung einmal beschäftigt haben solltest. Zumindest solltest du von den verschiedenen Optionen einmal gehört haben, um den für dich passenden Weg zu finden.
1. Finanzielle Kosten der Fortbildung
Eine Fortbildung ist eine Investition in die eigene berufliche Zukunft. Gleichzeitig ist sie eine finanzielle Belastung. Das Gute daran ist, dass dir diese Investition in dein Humankapital niemand wegnehmen kann. Du wirst definitiv davon profitieren. Denn mit dem Abschluss zum:r Techniker:in, Meister:in, Betriebswirt:in, Fachwirt:in oder Erzieher:in hast du auch höhere Verdienstmöglichkeiten und weitere berufliche Chancen. Trotzdem kostet ein staatlich anerkannter Abschluss zunächst einmal Geld. Diese Kosten für die Anforderungen solltest du unbedingt kennen und berücksichtigen.
Lehrgangsgebühren:
Die Kosten für eine Fortbildungsmaßnahme kann stark variieren. Von Schulgeld, über Prüfungsgebühren und Materialkosten gibt es oft je nach Branche eine große Bandbreite. Informiere dich direkt bei deiner Schule darüber. Meist haben sie eine Kostenübersicht zusammen gestellt.
Schulkosten:
Neben den Lehrgangsgebühren kommen während der Schulzeit meist weitere Kosten rund um den Schuldbedarf auf dich zu. Hierzu zählt Fachliteratur, spezieller Bürobedarf, einen Laptop, Softwareprogramme, Geld für Exkursionen oder Übernachtungen uvm.
Verdienstausfall:
Wer in Vollzeit oder Teilzeit eine Fortbildung besucht, kann nicht oder nicht in vollem Umfang seinem Beruf nachgehen. Diesen Verdienstausfall solltest du mit einkalkulieren. Aber lass dich davon nicht blenden. Du profitierst am Ende durch deinen Abschluss und erhältst höhere Verdienstmöglichkeiten.
das Leben:
Das Leben geht natürlich während deiner Fortbildung weiter. Du musst deine Miete bezahlen, eventuell ziehst du dafür extra in eine andere Stadt. Auch Essen, Versicherungen, Freizeit, Transportmittel kosten dich laufend Geld. Sprich, du musst trotzdem deinen Lebensunterhalt bestreiten. Daher solltest du dich neben den Fortbildungskosten auch mit deinen privaten Ausgaben beschäftigen.
2. Fördermöglichkeiten für die Fortbildung
Deutschland bietet einige Möglichkeiten und Unterstützungen an, um eine Fortbildung verwirklichen zu können.
Aufstiegs-BAföG (Meister-BAföG):
Die wohl bekannteste Fördermaßnahme ist das Aufstiegs-Bafög (früher Meister-BAfög). An ihr kommst du nicht vorbei, denn es fördert mehr als 700 Fortbildungsabschlüsse. Hier ist bestimmt auch dein Fortbildungsabschluss enthalten. Es unterstützt die Fortbildung von Fachkräften in jedem Alter. Die Höhe ist vom Einkommen und Vermögen abhängig. Lukrativ ist vor allem, dass ein Teil des Aufstieg-BAföGs rückzahlungsfrei ist oder durch einen erfolgreichen Abschluss reduziert werden. Für den Rest der Kosten erhältst du ein zinsgünstiger Kredit bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Diese Fördermöglichkeit solltest du dir also unbedingt ansehen und nicht entgehen lassen
Stipendien
Wer besonders gute Leistungen in seiner Berufsausbildung erbracht hat, kann sich auf ein Weiterbildungsstipendium bewerben. Branchenspezifisch gibt es weitere Stipendien von Stiftungen und Verbänden. Außerdem bieten teilweise Firmen über die Fachschulen direkt Stipendien an.
Steuerliche Absetzbarkeit
Eine Steuererklärung kann als Unterstützungsmöglichkeit genutzt werden. Denn Fortbildungskosten sind in der Regel steuerlich absetzbar. Besonders interessant sind hier Anschaffungen wie ein Laptop oder ein Drucker. Aber auch Lehrgangsgebühren, Fachliteratur, Fahrtkosten im Zusammenhang mit der Fortbildung und Exkursionen, die mit einer Übernachtung stattfinden, sind nur einige Beispiele, die als Fortbildungskosten in einer Steuererklärung angegeben werden können.
Bildungsgutschein
Die Agentur für Arbeit bietet eine finanzielle Unterstützung in Form eines Bildungsgutscheins. Mit der beruflichen Weiterbildung soll die individuelle Beschäftigungsfähigkeit verbessert werden. Allerdings müssen dafür viele besondere Voraussetzungen erfüllt werden.

3. Antragstellung, dein Weg zur Förderung
Sobald du dich mit den Kriterien der Fördermöglichkeiten beschäftigt hast, kannst du abschätzen, welcher Weg der passende für dich ist. Hier ist die richtige Vorgehensweise für die Antragstellung.
Frühzeitig informieren
Die Bearbeitung der Förderungen beläuft sich oftmals auf mehrere Wochen. Der Antrag sollte daher möglichst früh gestellt werden. Informiere dich daher gut darüber, welche Voraussetzungen die einzelnen Förderungen mit sich bringen und halte die entsprechenden Fristen ein.
Beratung in Anspruch nehmen
Bei Unsicherheiten oder um Fragen zu klären, empfiehlt es sich auf eine persönliche oder telefonische Beratung zurückzugreifen. Die Förderstellen bieten kostenlose Beratungsgespräche, helfen beim Ausfüllen des Vertrages und gehen auf alle relevanten Fragen ein.
Dokumente vorbereiten
Zur Beantragung der verschiedenen Förderungen ist es notwendig, verschiedene Nachweise einzureichen. Das sind hauptsächlich Dokumente über deine Fortbildungsstätte, deine Qualifikation und über deine finanzielle Situation. Einige Dokumente kannst du bereithalten, weil du sie möglicherweise mehrmals benötigen wirst.
Antrag stellen
Fülle nun den Antrag aus und reiche ihn fristgerecht bei der entsprechenden Stelle ein. Versuche so viel wie möglich bereits vor dem Start der Fortbildungsmaßnahme zu erledigen.
4. Weitere Finanzierungsmöglichkeiten und Unterstützung
Neben den bekannten staatlichen Fördermöglichkeiten gibt es weitere finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten, die dir während deiner Fortbildung finanzielle Erleichterung verschafft.
Wohngeld
Das Wohngeld ist ein Zuschuss zur Miete, wenn das Einkommen unter einer bestimmten Grenze liegt. Mit einem geringeren Einkommen während der Fortbildung stellt es eine echte finanzielle Hilfe zu den Wohnkosten dar.
Kindergeld
Das Kindergeld wird auch an junge Erwachsene bis maximal zum 25. Geburtstag ausbezahlt. Wenn du alle Voraussetzungen für das Kindergeld erfüllst, bekommst du monatlich 255€ zusätzlich.
Arbeitgeber
Wenn du bereits in einem Unternehmen arbeitest, kann es Sinn machen, deinen Arbeitgeber über deine Fortbildung zu informieren. Manche Arbeitgeber bieten eine finanzielle Unterstützung während der Fortbildung an, übernehmen bestimmte Fortbildungskosten oder gewähren dafür Sonderurlaub. Schließlich ist es auch im Interesse eines Unternehmens, wenn sich die Mitarbeiter fortbilden und als Fachkräfte qualifizieren.
5. Wen du nicht vergessen solltest
Krankenkasse
Vor deiner Fortbildung musst du dich um deine Krankenversicherung kümmern. Ist eine Familienversicherung nicht möglich, erhältst du einen vergünstigten Tarif. Er ist je nach Krankenkasse auf Fachschüler, Schüler oder Studierende ausgerichtet. Informiere dich am besten direkt bei deiner Krankenkasse.
Arbeitgeber
Mit dem Start der Fachschule endet meist dein Arbeitsverhältnis. Auch wenn dein Arbeitgeber oder Vorgesetzte über deinen beruflichen Aufstieg informiert ist, sollte die schriftliche Kündigung in der entsprechenden Kündigungsfrist nicht vergessen werden.
Arbeitsamt
Über den Zeitraum deiner Fortbildung musst du dich nicht arbeitslos melden. Berücksichtige hier eher, ob vor oder nach deiner Fortbildung Lücken zwischen der Schulzeit und Erwerbsarbeit stehen und melde dich in diesen Zeiten arbeitslos.
Versicherungen
Eine Fortbildung bringt große Veränderungen der Lebenssituation mit sich. Daher macht es Sinn, seine Versicherungen überprüfen zu lassen und Anpassungen vorzunehmen.

6. Die Finanzierung clever planen
Neben den finanziellen Mitteln ist daher die Planung der Finanzierung ein unumgänglicher Schritt vor der Fortbildung. Wenn du dir im Vorfeld darüber Gedanken machst, welche Finanzierungsmöglichkeiten passen und miteinander kombinierbar sind, kannst du sorgenfreier in deine berufliche Herausforderung starten.
1. Erstelle einen detaillierten Finanzplan:
Berücksichtige dabei alle anfallenden Kosten rund um die Fortbildung und plane einen Puffer ein. Damit werfen dich unvorhergesehene Posten nicht aus der Bahn. Kenne deine privaten Ausgaben und Lebenshaltungskosten. Es wird oft unterschätzt, dass sich bei den privaten Ausgaben Einsparpotenzial verbirgt. Optimiere diesen Bereich, soweit es dir möglich ist. Mit dem detaillierten Finanzplan ergibt sich nun ein finanzieller Bedarf, der nun abgedeckt werden muss.
2. Nutze möglichst verschiedene FinanzierungsquelleN:
Kombiniere mehrere Finanzierungsmittel miteinander, um die Fortbildungskosten gut abzudecken. Berücksichtige dabei, dass sich manche Forderungen oder Stipendien nicht miteinander kombinieren lassen. Spiele dabei durchaus mehrere Szenarien durch.
3. Prüfe steuerliche Vorteile:
Schöpfe die steuerlichen Vorteile in vollem Umfang aus, die dir während deiner Fortbildung zustehen. Halte hierfür im Zweifel Rücksprache mit einer Steuerkanzlei.
Fazit
Neben der Entscheidung, eine Fortbildung zu beginnen, um die berufliche Laufbahn voranzubringen, folgen die Bedenken über die finanziellen Herausforderungen. Mit einer detaillierten Finanzplanung, der richtigen Auswahl der Finanzmittel und Fördermöglichkeiten und der durchdachten Antragstellung, wird die Finanzierung deiner Fortbildung machbar. Überprüfe nochmals alle Quellen, Hilfen und Empfehlungen. Greife auch auf die persönlichen Beratungen der offiziellen Stellen zurück. Das stellt sicher, dass du dich ohne finanzielle Sorgen auf deine Fortbildung konzentrieren und voll durchstarten kannst.
9. April 2025 von Evelyn Sigloch