Stipendium für die Aufstiegsfortbildung: Förderungen, die du nicht zurückzahlen musst

Viele Menschen denken beim Thema Stipendium zuerst an Studierende. Dabei gibt es gerade für Fachkräfte nach der Berufsausbildung und auf dem Weg zur Aufstiegsfortbildung zahlreiche Förderprogramme. Besonders für Fachkräfte im Handwerk, Fachberufe im Gesundheitswesen oder in technischen Berufen können Stipendien eine wichtige finanzielle Unterstützung sein.

Hier bekommst du einen Überblick, welche Stipendien für die Aufstiegsfortbildung infrage kommen, wie die Bewerbung funktioniert und warum sich eine eigene Recherche in der Branche immer lohnt.

Was ist ein Stipendium?

Ein Stipendium ist eine finanzielle Förderung für Bildungsmaßnahmen. Anders als bei einem Kredit muss das Geld in der Regel nicht zurückgezahlt werden. Die Förderung kann verschiedene Kosten übernehmen, zum Beispiel:

  • Lehrgangsgebühren
  • Prüfungsgebühren
  • Lernmittel und Fachliteratur
  • Arbeitsmaterialien
  • teilweise auch Fahrtkosten oder Seminare

Welche Kosten genau übernommen werden, hängt vom jeweiligen Förderprogramm ab. Für viele Weiterbildungsstipendien gilt, dass sie leistungsorientiert vergeben werden. Gute Ausbildungsnoten oder besondere berufliche Leistungen können eine Voraussetzung sein. Zusätzlich gibt es oft Altersgrenzen oder bestimmte Bewerbungsverfahren.

Weiterbildungsstipendium für Fachkräfte

Das Weiterbildungsstipendium der SBB – die wichtigste Adresse für Fachkräfte

Das bekannteste und wichtigste Stipendium für angehende Techniker:innen, Meister:innen, Fachwirte, Betriebswirte und Erzieher:innen ist das Weiterbildungsstipendium der Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung, kurz SBB. Es wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) finanziert und richtet sich gezielt an junge Fachkräfte mit überdurchschnittlichen Leistungen in einem anerkannten Ausbildungsberuf, die sich danach weiterqualifizieren möchten.

Gefördert werden zum Beispiel:

  • Aufstiegsfortbildungen
  • fachliche und fachübergreifende Weiterbildungen
  • berufsbegleitende Weiterbildungen
  • Vollzeitfortbildung bei Freistellung oder Beurlaubung des Stipendiaten
  • berufsbegleitende Studiengänge, die auf den Ausbildungsberuf aufbauen

Die Förderung erfolgt über mehrere Jahre und umfasst Zuschüsse für verschiedene Weiterbildungsmaßnahmen bis zu dem Zeitpunkt, bis der maximale Förderbetrag von 9.135 € ausgeschöpft ist und/oder die maximale Förderzeit von drei Jahren beendet ist. Dadurch spielt die Planung der eigenen Weiterbildung eine große Rolle.

Bewerbungskriterien für Stipendium

Wer kann sich bewerben?

Für das Weiterbildungsstipendium musst du folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • Du bist zu Beginn der Förderung unter 25 Jahre alt. Achtung: diese Altersgrenze kann in Ausnahmefällen wie Bundesfreiwilligendienst, Elternzeit u.a. um bis zu 3 Jahre verlängert werden.
  • Du hast deine Berufsabschlussprüfung mit einem Notendurchschnitt von mindestens 1,9 abgeschlossen, oder du wurdest von einer zuständigen Stelle, z.B. vom Betrieb oder Berufsschule besonders empfohlen, oder du hast erfolgreich bei einem überregionalen Berufs- oder Leistungswettbewerb teilgenommen
  • Du gehst zum Zeitpunkt der Bewerbung einer Arbeitstätigkeit von wöchentlich mindestens 15 Stunden nach oder bist als arbeitssuchend gemeldet.
  • Du bist kein:e Hochschulabsolvent:in

Kurz gesagt, es stellt ein Stipendium für Fachkräfte nach der Ausbildung dar.

Alle aktuellen Voraussetzungen, Fristen und Förderdetails findest du in den Richtlinien oder HIER. Da sich Konditionen und Beträge ändern können, empfehle ich dir, die Informationen dort immer aktuell zu prüfen.

Kostenübernahme Stipendium

Was wird gefördert? Welche Kosten übernimmt das Stipendium?

Das Stipendium erstattet dir Ausgaben rund um deine Fortbildung bis zu einer bestimmten Fördersumme von bis zu 9.135 € verteilt auf 3 Jahre. 10% dieser förderfähigen Kosten trägst du als Eigenanteil mit.

Zu den förderfähigen Kosten zählen unter anderem:

  • Lernmittel und Fachliteratur
  • Prüfungskosten oder Teilnahmegebühren
  • Schulgeld (teilweise abgeschafft)
  • Schulmaterial oder Arbeitsmittel
  • Fahrtkosten
  • Aufenthaltskosten
  • anderweitige maßnahmenbedingte Kosten
  • IT-Bonus von 250 €, der die Anschaffung eines Computers im ersten Weiterbildungsjahr unterstützt.

Die angefallen Kosten kannst du über das Stipendium abrechnen. Hierfür sammelst du die entsprechenden Belege und reichst sie bei der SBB ein. Nach Prüfung der Kosten folgt die anteilige Rückerstattung.

Kosten, die nicht über das Stipendium oder das Aufstiegs-BAföG abgerechnet oder abgedeckt werden können, können in der Steuererklärung berücksichtigt werden. Siehe hierfür auch meinen Artikel zur steuerlichen Absetzbarkeit der Fortbildungskosten.

Bewerbung Weiterbildungsstipensium

Bewerbung und Auswahlverfahren

Für das Weiterbildungsstipendium reicht es nicht aus, die Voraussetzungen zu erfüllen. Man muss sich aktiv bewerben und das unbedingt vor Beginn der Maßnahme. Außerdem suchst du dir selbst deine gewünschte Fördermaßnahme aus und stellst dafür bei der zuständigen Stelle den Antrag auf Förderung einer Weiterbildung.

Bewerbungsablauf:

  1. Informiere dich über die Voraussetzungen und prüfe, ob du diese erfüllst.
  2. Nimm Kontakt mit der zuständigen Stelle auf. Erkundige dich bei der Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer oder auch der Landesbehörde, wer für deinen Beruf zuständig ist.
  3. Dieser Ansprechpartner sendet dir die gewünschten Bewerbungsunterlagen zu.
  4. Das ausgefüllte Bewerbungsformular inklusive der erforderlichen Belege schickst du an die zuständige Stelle zurück.
  5. Diese entscheidet über die Aufnahme und versendet das Ergebnis per Post.

Ausnahme: Für die Fachberufe aus dem Gesundheitswesen gilt die SBB direkt als Ansprechpartner und durchlaufen dort ihren Bewerbungsprozess. Hier entlang zum direkten Kontakt.

Die Förderstellen vergeben die Stipendien häufig nach einem bestimmten Kontingent. Das bedeutet, dass nur eine begrenzte Anzahl von Bewerbungen ausgewählt wird. Bewerben sich zu viele, werden folglich die Anforderungen hochgesetzt. Einen Anspruch auf den Erhalt der Begabtenförderung besteht also nicht.

Branchenstipendien und Förderprogramme von Unternehmen

Neben staatlichen Förderprogrammen gibt es auch zahlreiche weitere Stipendien, die von Verbänden, Stiftungen, Branchenorganisationen oder sogar einzelnen Unternehmen vergeben werden. Oft läuft hier der Bewerbungsprozess oder die Kontaktaufnahme direkt über die Fachschule oder Kammer.

Im Bauhandwerk gibt es beispielsweise das Sto-Stipendium. Solche Programme unterstützen motivierte und talentierte Nachwuchskräfte bei ihrer Weiterbildung. 

Das ist kein Einzelfall. Viele Branchen haben ähnliche Angebote, die du nur dann erfährst, wenn du konkret nachfragst. Dazu gehören unter anderem:

  • Stipendien von Industrieunternehmen
  • Förderprogramme von Stiftungen
  • Brancheninitiativen für Nachwuchskräfte

Diese Programme sind häufig weniger bekannt als staatliche Förderungen, können aber eine wertvolle Unterstützung sein.

Mein Tipp: Schule und Branche aktiv ansprechen

Wer eine Weiterbildung plant, sollte nicht nur im Internet recherchieren, sondern auch bei der eigenen Schule oder Bildungseinrichtung nachfragen, ob es branchenspezifische oder firmenbezogene Stipendien gibt.

Viele Meisterschulen, Akademien oder Fachschulen kennen regionale Förderprogramme, Branchenstipendien Stiftungen oder Unternehmensförderungen. Auch Betriebe, Innungen oder Kammern können Hinweise auf passende Programme geben.

Fazit: Stipendien können Fortbildungen und Weiterbildungen deutlich erleichtern

Ein Stipendium ist eine wertvolle finanzielle Unterstützung für die Aufstiegsfortbildung. Besonders für junge qualifizierte Fachkräfte nach der Ausbildung gibt es Förderprogramme, die oft wenig bekannt sind. Wichtig ist eine frühzeitige Planung. Altersgrenzen, spezifische Voraussetzungen oder Bewerbungsfristen können entscheidend dafür sein, ob eine Förderung möglich ist. Neben staatlichen Programmen lohnt sich immer auch ein Blick in die eigene Branche. Unternehmen, Stiftungen und Organisationen fördern häufig gezielt Nachwuchskräfte in ihrem Fachgebiet. Wer sich informiert, nachfragt und rechtzeitig bewirbt, kann einen wichtigen Teil seiner Weiterbildungskosten durch ein Stipendium finanzieren.

Ich sage also unbedingt JA zum (Weiterbildungs-) Stipendium, denn das ist Geld, das du nicht zurückzahlen musst und im besten Fall finanzierst du damit einen guten Teil deiner Fortbildungskosten. Die Altersgrenze ist dabei entscheidend. Ich habe meine eigene Zeitplanung vor der Meisterschule genau deshalb angepasst. Wer zu spät plant, verschenkt diese Chance.

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